Graue Vorzeit: ''als es noch Stroh- und Schindeldächer gab''

von Peter Klar

Wer sich einmal in die Brandchronik der Stadt Cottbus vertieft, dem fällt ins Auge, dass Brände in den alten Zeiten zum Ausbruch kamen, die mehrfach eine Ausdehnung annahmen, wie sie heute nicht mehr möglich erscheint. Das lag einmal an der völlig unzulänglichen Löschhilfe, den primitiven Löschgeräten, in der Hauptsache wohl an der Bauweise der Häuser. Fast bis zum Siebenjährigen Krieg waren Häuser in Cottbus, wie anderswo, durchweg Fachwerkbauten mit Schindel- und Strohdächern. Soweit es Brandmauern überhaupt gab, hatte man sie in ausgeklebten Fachwerken errichtet. Kein Wunder also, wenn bei jedem Brand gleich ganze Straßenzüge, die halbe oder die ganze Stadt in Flammen aufging.

So am 19. September 1468, als ein Blitzstrahl genügte, die ganze Stadt samt Oberkirche innerhalb von 48 Stunden in Asche zu legen. Schon elf Jahre später 1479 wurde der kaum aufgebaute Ort abermals durch Feuer vernichtet. 1567 wurden 28 Häuser und 1583 in Sandow 27 Scheunen eingeäschert.

Dem großen Brand am 03. September 1600 fiel fasst die gesamte Stadt, einschließlich der Kirchen, ein Teil des Schlosses, der Amtsmühle, der Schule und das Rathaus zum Opfer. Verschont blieben nur neun kleine Grundstücke. In der Nacht zum Himmelfahrtstag des Jahres 1615 brannten in der Sandower Gasse 55 Häuser nieder. 26 Jahre später sanken abermals in der Sandower Gasse 32 Gebäude in Asche. Dieser Brand dehnte sich bis auf die Sandower Vorstadt aus, in der 20 Häuser vernichtet wurden. Einer fahrlässigen Brandstiftung machten sich während des Dreißigjährigen Krieges Kurmärksche Reiter schuldig, die im heutigen Sandow einquartiert waren. Das Hospital und mehrere Häuser gingen in Flammen auf.

Die Nöte des Dreißigjährigen Krieges waren noch nicht überwunden, Gemeinde und Bürgerschaft seufzten unter einer bedrückenden Schuldenlast, da brach erneut ein schweres Brandunglück herein, dass die Mehrzahl der Einwohner an den Bettelstab brachte. Gemeint ist der Stadtbrand 1671. Das Feuer brach in den ersten Morgenstunden des 20. März in der Hintermühle aus. So standen in kürzester Zeit auch die Vordermühle, die Amtkastnerei und die benachbarte Gasse in Flammen. Jede Löschtätigkeit erschien zwecklos. Brennende Strohbündel und Schindeln flogen über die Stadt, alles in Flammen setzend. Wie ein gewaltiger Strom wälzte sich das Flammenmeer durch die Gassen. Der Cottbuser Anzeiger berichtete seinerzeit darüber an die kurfürstliche Kammer: Die ganze Stadt ist sozusagen in einem Augenblick in Asche gelegt.

Wie Dr. Krüger in einer vor Jahren im Cottbuser Anzeiger erschienenen Aufsatzreihe aus den alten Aufzeichnungen erzählt, flog eine Seite brennenden Specks auf das Turmdach der Oberkirche und zündete den Turm an, der gänzlich abbrannte, wobei auch die vier Glocken zerschmolzen. Den Anstrengungen der Bürger gelang es jedoch, die Kirche, das Pfarrhaus und die Schule sowie die Sandower Gasse zu retten. Dagegen brannten die Klosterkirche und das Rathaus mit allen Urkunden bis auf die Grundmauern nieder. Vier Personen kamen in den Flammen um, 93 Brauhäuser und 214 Wohnhäuser wurden außer den öffentlichen Häusern vernichtet. Wie der Brand entstanden ist, ließ sich nicht genau ermitteln. Man beschuldigte den Müller der Hintermühle der Fahrlässigkeit und entließ ihn. Einhundert Jahre lang, bis 1771, hielt man in Cottbus anlässlich der schweren Brandkatastrophe am Montag nach Reminiscere einen Buß- und Bettag ab. An diesen Brand erinnerte, bis 1968, das Haus in der Klosterstraße Nummer 66, wo das Feuer zum Stehen kam. Unter dem Dach des Hauses hat man drei Mohrenköpfe angebracht.

Aus den Gründerjahren der Feuerwehr Cottbus

Eine kurze Zeitspanne im Leben der Welt, eine lange im Leben der Menschheit und ihren Einrichtungen sind ins Land gezogen, als eine Anzahl kräftiger Männer in Cottbus die Freiwillige Feuerwehr ins Leben riefen. Neunzig Jahre im Laufe der Geschichte bringen zu allen Zeiten die verschiedensten Umwälzungen, aber niemals haben sich die Verhältnisse in jeder Hinsicht so sehr umgestaltet, sowohl in unserer Stadt, als auch im engeren und weiteren Deutschland, ja in der ganzen Welt, als gerade im Laufe der letztverflossenen neunzig Jahre.

Nach dem Regierungsantritt des Kaisers Wilhelm I., blühten allerorts die Turnvereine zu frischen neuem Leben empor, auch hier wurde im Jahr 1861 ein Turnverein gegründet und Alt und Jung erfreuten sich am turnerischen Spiel. Aber bald fanden sich aus den Reihen der Turner Männer zusammen, die dem turnerischen Spiel den Ernst hinzufügen wollte und sich bereit erklärten, freiwillig Hilfe, dem bedrängten Mitmenschen in Not und Gefahr, zu leisten.

In den vorhergehenden Jahren hatte sich nach mehreren größeren Bränden, namentlich bei dem Brand 1857  Brand des alten, zur Coqurillischen Spinnerei eingerichteten Schosses mit Turm (an dieser Stelle steht jetzt das Land-Gerichtsgebäude), der Velteschen Tuchfabrik u.v.a. die zwingende Notwendigkeit herausgestellt, das Feuerlöschwesen in Cottbus zu organisieren.

Die Bildung der Feuerwehr in Cottbus

Im großen Saal des Hotels Zum Goldenen Ring wählte die 1. konstituierende Versammlung den Stab und die Feuerwehrführer. Damit war am 16. Februar 1863 die Cottbuser Freiwillige Feuerwehr gegründet. Am 29. März des Jahres gab es Streit. Die Feuerwehr wollte unabhängig vom Turnverein werden. Eine Zugehörigkeit zu beiden sollte fortan nicht mehr möglich sein. Ein Jahr darauf gab es bereits 189 Feuerwehrleute, nach fünf Jahren waren es schon 328 Mitglieder. An Löschgeräten besaß man zu dieser Zeit: einen Steigerwagen, fünf eisenbereifte vierrädrige Handdruckspritzen, vierWasserwagen, eine mechanische Leiter.

Die Behörden beschlossen deshalb, der Frage einer besseren Organisation der Feuerbekämpfung näher zu treten und es bildete sich ein Komitee zur Vorbereitung dieser Angelegenheit. Zuerst war beabsichtigt, eine Art Berufsfeuerwehr ins Leben zu rufen, aber man kam bald davon ab. Dann stellte der im Jahr 1861 gegründete Turnverein an den Magistrat das Anerbieten, aus sich heraus eine Feuerwehr zu bilden, und fragte gleichzeitig bei dem damaligen Branddirektor von Berlin, Skabell an, wie eine den hiesigen Verhältnissen entsprechende Wehr einzurichten sei. Der Magistrat ging darauf ein. Zwei Spritzen waren vorhanden, zur Beschaffung des übrigen Bedarfs bewilligten die Stadtverordneten in ihrer Sitzung vom 23. Oktober 1862, 480 bis 500 Taler, wofür die Feuerwehr

- zehn Hakenleitern,

- zwölf Steigergurte,

- zehn Helme,

- einen Rettungsschlauch,

- einen Gerätewagen erstanden.



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